Interview mit Wilma Staiger
Sustainability Specialist Purchasing
Uhlmann Pac-Systeme
Interview mit Wilma Staiger
Sustainability Specialist Purchasing
Uhlmann Pac-Systeme
Frau Staiger, Sie arbeiten im Einkauf. Welche Rolle haben Sie bei der PCF-Bilanzierung bei Uhlmann?
Als wir mit der PCF-Bilanzierung angefangen haben, war schnell klar, dass ein PCF nur akkurat wird, wenn man den Anteil der Primärdaten für die einzelnen Bauteile kontinuierlich erhöht. Deshalb unterstütze ich aktiv das Lieferantenmanagement bei der Datenerhebung aus der Lieferkette.
Die erste Frage an unsere Lieferpartner ist immer, ob bereits PCFs zum Lieferportfolio bereitgestellt werden können. Ist dies nicht der Fall, konzentrieren wir uns auf Werkstoffe und Gewichtsanteile im Materialmix - damit können wir auch selbst PCFs berechnen.
Ich begleite die regelmäßigen Projektmeetings und berichte dort, welchen Beitrag der Einkauf mit seinem Lieferantenportfolio leisten kann und was wir realistisch von unseren Lieferanten erwarten können.
Wie laufen die Gespräche mit den Lieferanten ab und wie reagieren diese auf Ihre Anfragen?
In der Startphase haben wir gemeinsam mit unseren Lieferpartnern zunächst material- und gewichtsbasierte Daten auf Bauteilebene erhoben, sofern keine Primärdaten zur Verfügung standen.
Wichtig ist uns dabei: Wir verstehen diesen Ansatz ausdrücklich nicht als Endzustand, sondern als eine Übergangslösung. Unser gemeinsames Ziel mit unseren Lieferpartnern ist, schrittweise auf belastbare Primärdaten umzustellen und diese künftig entlang der gesamten Lieferkette zu erhalten. Aktuell schätze ich, dass circa 10 % unserer Lieferanten über Primärdaten verfügen, so dass hier noch ein Weg vor uns liegt. Wir arbeiten dabei auf Augenhöhe zusammen und werden konstruktiv unterstützt, auch wenn es manchmal Nachfragen benötigt, bis belastbare Antworten vorliegen.
Ist das Thema für viele Lieferanten neu?
Das ist unterschiedlich. Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitern haben auf jeden Fall etwas vom Thema Treibhausgase gehört. Einfach, weil sie sich schon einmal mit der CSRD auseinandergesetzt haben, bevor da die Regeln verändert wurden. Aber wir sind auch Sondermaschinenbauer, das heißt, wir haben sehr viele mittelständische Unternehmen und Handwerksbetriebe als Lieferanten: Metallbauer etwa, die auch für Privatkunden fertigen. Da haben viele bislang nichts von PCFs gehört oder waren bislang nicht damit konfrontiert.
Kommt es vor, dass Sie auch die Angaben zu Werkstoff und Gewicht nicht bekommen können?
Wir konnten von fast allen Lieferanten zumindest bilanzierbare Basisdaten bekommen. Wenn gar keine Angabe vorliegt, schätzen wir den Werkstoff in Absprache mit unserer Technik. Das ist allerdings schwierig, wenn ein Produkt aus vielen verschiedenen Werkstoffen besteht – da ist eine Schätzung naturgemäß ungenau.
Uhlmann hat inzwischen die PCF-Berechnung innerhalb seiner IT-Infrastruktur umgesetzt. Trotzdem fehlen immer wieder Daten für einzelne Teile. Können Sie abschätzen, wie hoch im laufenden Prozess der Aufwand für Sie im Einkauf ist?
Wir bilanzieren projektweise. Immer, wenn eine neue Maschine oder Produktgruppe ansteht, gibt es einen neuen Schwung an Anfragen. Das hatten wir jetzt etwa zweimal im Jahr, da wir darauf achten, die Aufwände für unsere Lieferanten möglichst zu bündeln. Ich gehe aber auch proaktiv vor: Wenn ich weiß, dass ich einen Lieferanten nächste Woche treffe, frage ich vorab, für welche Artikel Daten gebraucht werden, und bespreche das dann direkt im Termin.
Und bei manchen Lieferanten kann ich die Daten auch aus dem Webshop ablesen, einige pflegen ihre Seiten wirklich gut. Dann kann man sich im ersten Schritt selbst helfen, aber das kann nur eine Übergangslösung sein. Ich denke, in Zukunft sollte man die PCF-Daten entweder zur Lieferung digital überspielt bekommt oder direkt als Download auslesen können, ohne sich erst durchfragen zu müssen.
Spannende Einblicke in die beteiligten Bereiche
Herausforderungen angehen, dazulernen und schließlich zukunftsfähige Lösungen entwickeln: Die Interviews geben inspirierende Einblicke in die jeweiligen Bereiche und stellen die Projekt-Beteiligten vor, die es gemeinsam geschafft haben, komplexe Maschinen aus tausenden Einzelteilen auf Knopfdruck zu bilanzieren.
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