Charlotte Beck im Gespräch mit Jonas Fuchs
Sustainability & Product Manager
Lufthansa Industry Solutions
Das Gespräch
Charlotte Beck: Welche Anforderungen hatte LHIND damals an einen CO2-Bilanzierungspartner, und welche Kriterien waren für euch bei der Auswahl entscheidend?
Jonas Fuchs: Mein erster Kontakt mit ECOSPEED war tatsächlich noch vor meiner Zeit bei Lufthansa Industry Solutions. Im Rahmen meiner Masterarbeit habe ich mich mit CO2-Bilanzierung in mittelständischen Unternehmen befasst und dabei aus der Perspektive dieser Unternehmen gefragt: Was braucht es eigentlich, um sinnvoll eine CO2-Bilanz zu erstellen – insbesondere inklusive Scope 3? Das war alles noch vor der CSRD-Zeit, vor der großen regulatorischen Welle.
Die Anforderungen, die ich damals identifiziert habe, waren klar: Komplexität reduzieren, Arbeit abnehmen, ein sinnvolles Abstraktionslevel bieten – und eine Selbstbedienbarkeit, die auch Laien an das Thema heranführt. Denn es nützt letztlich nichts, sich durch ein Tool zu klicken, ohne zu verstehen, was man dabei tut. Daneben: fachliche Sauberkeit, ausreichende Granularität, vertretbare Kosten – das ist gerade für den Mittelstand ein wichtiges Thema, das mit dem regulatorischen Reset heute wieder besonders relevant ist – und eine gewisse Flexibilität, weil jedes Unternehmen anders ist und bestimmte Strukturen abgebildet werden müssen, ohne zu überwältigen. Das waren genau die Fragen, die wir uns bei LHIND ebenfalls gestellt haben, als wir nach einem CO2-Bilanzierungspartner gesucht haben.
Charlotte Beck: Was waren für dich die größten Herausforderungen bei der Auswahl?
Jonas Fuchs: Wir haben uns insgesamt etwa 40 bis 50 Anbieter angesehen, davon rund sechs bis acht auf einer Shortlist, die wir wirklich genauer unter die Lupe genommen haben. Die größte Herausforderung war es, den Schein vom Sein zu trennen. Ein schönes Kreisdiagramm mit Scope-1-, -2- und -3-Emissionen kriegt jeder hin – und schnell. Aber die Details, die am Ende darüber entscheiden, wie nützlich ein Tool wirklich ist, liegen eine Ebene tiefer: Welche Emissionsfaktoren kann ich hinterlegen? Kann ich meinen eigenen Energiemix eintragen? Wie gut kann ich Daten aus Excel-Tabellen hochladen? Kann ich meine Standortstruktur so abbilden, wie sie tatsächlich ist, und dabei Dinge flexibel an- und abwählen? Kann ich eigene Auswertungen und Dashboards erstellen?
All das sieht man nicht auf den ersten Blick. Dafür braucht man eine Demo, einen eigenen Zugang, Zeit zum Ausprobieren – und dann wird erst wirklich klar, was der Weizen und was die Spreu ist.
Charlotte Beck: Und warum habt ihr euch dann für ECOSPEED entschieden? Was war der ausschlaggebende Grund?
Jonas Fuchs: Es klingt vielleicht etwas trivial, aber am Ende war es eine Kombination aus fachlicher und persönlicher Überzeugung. In den Gesprächen – auch mit Christoph – wurde sehr schnell klar, dass ECOSPEED nicht erst seit gestern am Markt ist, sondern sich seit rund 20 Jahren intensiv mit CO2-Bilanzierung beschäftigt. Das hat man gespürt: Man konnte beliebig tief bohren und es kam immer eine fundierte Antwort, wie sich ein bestimmter Sachverhalt konkret umsetzen lässt. Für uns als Team mit eigener Expertise in diesem Bereich war das entscheidend – das Gefühl, dass da eine echte fachliche Tiefe vorhanden ist.
Und dann das Persönliche: Wir haben bei LHIND natürlich immer auch mitgedacht, wie ein potenzieller Kunde von uns auf das Tool und die Zusammenarbeit reagiert, bei der ihr ja auch dem Kunden gegenüber auftretet. Da hatten wir durchgängig das Gefühl, dass die Zusammenarbeit pragmatisch, fundiert und gleichzeitig sehr unkompliziert ist. Was ich mitbekommen habe, hat sich das in den gemeinsamen Kundensituationen auch bestätigt.
Charlotte Beck: Wie lief die Implementierung ab? Wie gestalteten sich die ersten Schritte der Zusammenarbeit, und gab es etwas, das euch positiv überrascht hat?
Jonas Fuchs: Wenn ich eines herausgreifen müsste, dann wäre es die Geschwindigkeit – gerade in der Implementierung. Es kam tatsächlich vor, dass der CO2-Bilanzierungsteil bereits gestartet war, während wir auf der ESG- und CSRD-Reporting-Seite noch in der Abstimmung waren. Die Reihenfolge haben wir natürlich bewusst so gewählt, trotzdem kamt ihr dann häufig schon schnell zurück und berichtetet, dass bestimmte Dinge bereits implementiert waren, dass ihr drei Termine mit dem Einkauf hattet und die Materiallisten gerade eintrafen. Das hat mich wirklich beeindruckt. Man merkt daran, dass die Markterfahrung dazu führt, dass ihr genau wisst, welche Fragen man stellen muss und welche Ansprechpartner man benötigt, um einem Kunden schnell und effektiv weiterzuhelfen.
Charlotte Beck: Warum war es für LHIND wichtig, im Bereich der CO2-Bilanzierung mit einem spezialisierten Partner wie ECOSPEED zusammenzuarbeiten?
Jonas Fuchs: Ich muss ehrlich sagen: Es hat uns erst ermöglicht, in bestimmten Kundensegmenten mit einem vollständigen Offering aufzutreten. Gerade in einem Markt, der stark von All-in-One-Lösungen geprägt ist, war es für uns wichtig, die CO2-Bilanzierung auch mit einer dedizierten Lösung toolbasiert in unser Gesamtportfolio zu integrieren. Denn die Frage ist immer, wie gut und in welcher Tiefe diese All-in-One-Lösungen das Einzelne wirklich abbilden. In dem Marktsegment, in dem ECOSPEED besonders stark ist – kleinere und mittlere Unternehmen – hat das voll eingeschlagen. Einige Kunden haben sich, glaube ich, auch wegen ECOSPEED für die LHIND entschieden, weil ihr in den Gesprächen überzeugt habt. Das war eine bewusste Entscheidung unsererseits: Diese Funktionalität mit dieser Erfahrung konnten wir nicht selbst wettbewerbsfähig aufbauen. Wir haben deshalb Partner gesucht – und mit ECOSPEED hat das genau gepasst.
Charlotte Beck: Worin ist ECOSPEED besonders stark, wenn man wirklich ins Detail geht? Was sind die echten Alleinstellungsmerkmale – fachlich und in Bezug auf die Marktposition?
Jonas Fuchs: Als jemand, der CO2-Bilanzierung auch schon manuell durchgeführt hat, würde ich sagen: Das Tool schafft einen guten Ausgleich zwischen Bedienbarkeit und der Abbildung der zugrundeliegenden sachlichen Zusammenhänge. Die typischen Workflows enthalten viele Dinge, die nicht standardisiert sind, sondern je nach Unternehmen hinterlegt werden müssen – welche Fahrzeugflotte habe ich, habe ich Fernwärme, welche Emissionsfaktoren stehen auf der Rechnung meines Energieversorgers und so weiter. All das lässt sich bei ECOSPEED relativ unkompliziert konfigurieren, einschließlich individueller Energiemixe. Und wenn das einmal getan ist, ist die Bedienung sehr einfach – gerade bei der Aktualisierung im Folgejahr, weil die Komplexität im Hintergrund abstrahiert wird und man nur noch Eingabemasken befüllen muss. Es gibt nicht viele Tools, die diesen Balanceakt gut hinbekommen.
Hinzu kommt, dass das Tool stark tabellenbasiert arbeitet, was bedeutet, dass an sehr vielen Stellen ein Import und Export im Tabellenformat möglich ist – für Daten, die in Unternehmen üblicherweise in Excel vorliegen, oder um Ergebnisse weiterzuverarbeiten. Excel-Import und -Export gibt es bei vielen Tools, aber diese Tiefe und Durchgängigkeit – das ist, glaube ich, ein echtes Differenzierungsmerkmal.
Zur Marktpositionierung: Es geht darum, typische Workflows für mittelständische Unternehmen in einem Tool abzubilden, das nicht überwältigt und preislich klar auf der richtigen Seite steht. Der Mehrwert gegenüber der Alternative – alles selbst in Excel von Grund auf zu basteln – ist schlicht eindeutig.
Charlotte Beck: Für wen ist ECOSPEED die richtige Lösung – und warum?
Jonas Fuchs: Es gibt kein One-size-fits-all – man muss sich zunächst mit CO2-Bilanzierung auseinandergesetzt haben, um sinnvoll entscheiden zu können, ob ECOSPEED das richtige Tool ist. Aber ich bin überzeugt: Für Unternehmen unterhalb der ganz großen Konzerne, die noch einmal ganz andere Anforderungen an Systemintegration haben, ist ECOSPEED eine sehr starke Option.
Typischerweise gibt es im Mittelstand kein dediziertes Nachhaltigkeitsteam mit fünf Personen. Wenn man Glück hat, gibt es eine Person, die dafür eingeteilt ist – aber die schreibt gleichzeitig auch den gesamten Nachhaltigkeitsbericht. Manchmal ist es auch der Health, Safety & Environment Officer, der das nebenbei übernehmen muss, oder das Qualitätsmanagement. Gerade für solche Unternehmen, die keine sechs Monate für eine Tool-Implementierung Zeit haben, sondern schnell etwas brauchen, das out of the box funktioniert – mit der Flexibilität, bestimmte Dinge so anzupassen, wie sie gebraucht werden –, ist ECOSPEED genau das Richtige.
Charlotte Beck: Wo hebt sich ECOSPEED noch von anderen ab – auch gegenüber den größeren Playern und den vielen VC-finanzierten Neuzugängen am Markt?
Jonas Fuchs: Ich habe bei euch immer das Gefühl eines No-Bullshit-Ansatzes. Man weiß bei euch genau, was man bekommt – und bekommt eben nicht das Blaue vom Himmel versprochen. Stattdessen: Ihr habt hier ein Problem, wir verstehen genau, worum es geht, unsere Lösung adressiert dieses Problem – schaut es euch an, und los. In einem Markt, der oft sehr undurchsichtig ist und in dem man schnell zu einem Tool greifen kann, das für die eigenen Anforderungen viel zu mächtig ist, ist das, glaube ich, ein echter Differenziator.
Charlotte Beck: Hast du noch einen abschließenden Rat für Unternehmen, die gerade auf der Suche nach einer Lösung sind?
Jonas Fuchs: Ich würde jedem Unternehmen empfehlen, sich wirklich damit zu beschäftigen – und dabei ein breites Spektrum zu betrachten. Schaut euch auf jeden Fall auch Standalone-Lösungen wie ECOSPEED an, einfach um zu sehen, dass es auch so geht. Gerade für Unternehmen, die beispielsweise einen VSME-Bericht schreiben und das bisher manuell oder mit dem DNK erledigen – wie unser gemeinsamer Kunde EMO-TRANS – ist das möglicherweise die bessere Lösung. Oder zumindest eine Option, die man gar nicht auf dem Schirm hat, wenn man sich nur die großen All-in-One-Lösungen anschaut und am Ende zum Schluss kommt, dass alles zu teuer ist. Für die Zielgruppe von ECOSPEED ist das besonders relevant.
Charlotte Beck: Jonas, vielen Dank für das Gespräch.